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9. November - "Selig sind, die Frieden stiften"

Stilles Gedenken

30 Jahre Mauerfall. 81 Jahre Pogromnacht. Und dazu das Jesus-Wort "Selig sind, die Frieden stiften" (Mt 5,9). Eine Besinnung von Annegret Puttkammer

In einer Hand trugen sie ihre Kerze, mit der anderen Hand schützen sie die Flamme vor dem Wind. Sie hatten keine Hand frei, um eine Faust zu ballen. Sie kamen aus Kirchen, hatten dort um Frieden gebetet, waren gesegnet worden und schrien keine Hassparolen. So, mit sanften Mitteln gingen die Menschen im Herbst 1989 überall in der damaligen DDR auf die Straße: Eine der wenigen friedlichen Revolutionen der Menschheitsgeschichte! Die Teilung Deutschlands und die Teilung Europas wurden überwunden. Alle, die damals dabei waren in Ost und West, wunderten sich, beeindruckt und überglücklich. Ich vermute, auch Sie wissen genau, wo Sie waren, als Sie hörten: „Die Mauer ist offen!“ Was für ein Hoffnungs-Tag, dieser 9. November 1989!

 

Dagegen: Ein anderer 9. November war ein Terror-Tag. 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Die Mehrheit der Deutschen war damals überzeugt, jüdisches Leben sei minderwertig, jüdische Menschen könne man verfolgen, vertreiben, ermorden. Wie erschreckend, und welch schreckliche Folgen! Erst brannten die Synagogen, später die Menschen in den Vernichtungslagern. Dann polnische Dörfer, französische Orte und russische Landstriche. Schließlich schlug der angezettelte Krieg mit voller Wucht zurück nach Deutschland. Grauenvoll, was vom 9. November 1938 ausging, verursacht durch Friedlosigkeit, Gewaltverherrlichung und Unmenschlichkeit!

 

Nun jährt sich die Maueröffnung zum 30. Mal, und die Pogromnacht zum 81. Mal. Hoffnung und Terror so eng in einem Kalendertag verbunden! In unserem evangelischen Losungsbüchlein steht für dieses Wochenende das Jesus-Wort „Selig sind, die Frieden stiften“. Das ist wie geschaffen für den 9. November, einen „Schicksalstag der deutschen Geschichte“. Er steht für sanfte Revolution und zugleich für unvorstellbare Grausamkeit. Er zeigt überdeutlich, was geschieht, wenn Menschlichkeit verspielt wird – und dass Wunder geschehen können, wenn Menschen der Kraft des Friedens viel zutrauen.

 

Annegret Puttkammer

Pröpstin für Nord-Nassau

 

 


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