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Dekanat Biedenkopf-Gladenbach

Präses Roland Hartmann verstorben

Portrait

Das Dekanat Biedenkopf-Gladenbach trauert um seinen Präses Roland Hartmann, der im November 2018 verstorben ist.

Der Präses des Dekanates Biedenkopf-Gladenbach ist am 19. November 2018 überraschend verstorben.

„Ein Dekanat ohne Roland Hartmann können und wollen sich viele gar nicht vorstellen...” Diese Worte von Dekan Andreas Friedrich stammen aus dem Juni 2016, als Roland Hartmannn als langjähriger Beauftragter für Erwachsenenbildung und Leiter der Freizeit- und Bildungsstätte (FBS) in Holzhausen in den Ruhestand verabschiedet wurde. Nun bekommen sie eine ganz andere Bedeutung, denn Roland Hartmann ist am frühen Morgen des 19. Novembers völlig überraschend verstorben.

Dekanat Biedenkopf-Gladenbach trauert um seinen Präses

Im Gegensatz zum jetzigen Abschied war der damalige kein endgültiger: Vor fast genau zwei Jahren, im November 2016, hat die Dekanatssynode den damals 65-Jährigen zu ihrem Vorsitzenden gewählt, mit überwältigender Zustimmung. Nach langem Überlegen und aus seinem tiefen Glauben und Gottvertrauen heraus hatte sich Hartmann zur Kandidatur für das höchste Amt im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach entschieden. Er wolle seine „Zeit und Kraft darauf verwenden, ehrenamtlich die Inhalte des neuen Dekanats mitzugestalten“, sagte er. Und dies hat er bis zuletzt mit außergewöhnlichem Engagement, voller Überzeugung von dem In-Gott-Getragensein und vorantreibender Kreativität getan. Viele seiner Ideen und Anregungen haben uns neue Wege einschlagen und andere Sichtweisen kennenlernen lassen. Manche feste Überzeugung blieb dabei auf der Strecke, und so einige „unerschütterliche“ Standpunkte gerieten ins Wanken, wenn Roland Hartmann seine oft unkonventionelle Sicht auf die Dinge ins Spiel brachte. Dabei ging es ihm oft genug nicht schnell genug voran: Langes Reden und Diskutieren über Strukturen waren ihm ebenso ein Gräuel wie endlose Gremien- oder Ausschussitzungen. „Kirche wird im Sitzen gestaltet“, spöttelte er mehr als einmal in seinem unnachahmlichen Humor. Sein hohes Amt als Präses brachte es mit sich, dass er davon gerade im Ruhestand nicht verschont blieb. Er hat immer das Beste daraus gemacht und durch seine zugewandte Herzlichkeit, die Wertschätzung für jedes Gegenüber und durch seinen hintersinnigen Humor immer wieder auch scheinbar verfahrene Situationen aufgelöst. „Gott hat 2000 Jahre lang nicht zugelassen, dass seine Kirche sich zugrunde richtet, da werden wir das jetzt auch nicht schaffen“, lautete sein launiger Kommentar, wenn es einmal nicht gelang.

Hartmann trat zum 1. September 1978 als Dekanats-Jugendwart im Dekanat Gladenbach seinen Dienst an. Seit damals, also seit 40 Jahren, lebte der gebürtige Frohnhäuser (bei Dillenburg) mit seiner Familie in Holzhausen/H. und engagierte sich bis heute auch über seine Heimatgemeinde hinaus im Raum Dautphetal in vielerlei Hinsicht für die Allgemeinheit.

1991 wurde er Beauftragter für Erwachsenenbildung im Dekanat Gladenbach. Zugleich übernahm er die Leitung der Freizeit- und Bildungsstätte (FBS) in Holzhausen/H. In den Jahren bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand 2016 – da war er der dienstälteste Mitarbeiter des Dekanats – prägte er den Aufbau und die Entwicklung des Ende 1991 vom Dekanat gekauften und zum Tagungshaus umgebauten ehemaligen Waldhotels maßgeblich.

Außerdem war Roland Hartmann bis zuletzt ehrenamtlich als Prädikant, Seelsorger, Mediator und Freizeit-Leiter tätig: Erst Anfang Oktober war er mit fast 40 Mitreisenden in Griechenland „Auf den Spuren des Apostels Paulus“ unterwegs. Seine nächste Studienreise in die Provence im September 2019 war bereits vorbereitet und zur Hälfte ausgebucht.

Manchmal hat Roland Hartmann vom „Kairos“ gesprochen, dem passenden, genau richtigen Moment für etwas. Wieso Gott für ihn gerade diese Nacht auf den 19. November 2018 ausgesucht hat, entzieht sich unserer irdischen Weisheit. Wir stehen mit Unverständnis und tiefer Trauer dem Unfassbaren gegenüber. Trost können wir in Roland Hartmanns Vertrauen in Gott finden – er hätte diesen Augenblick für seinen letzten Herzschlag wohl akzeptiert, hätte er ihn vorher gekannt. Hier wie in vielerlei anderer Hinsicht kann er uns Vorbild sein. Er war uns Vorgesetzter, Kollege und Freund ebenso wie Weggefährte, Ratgeber und Lehrer. Er hinterlässt viele Spuren, denen wir zu folgen versuchen werden. Und er hatte voller nahezu jugendlichem Tatendrang und unerschütterlichem Optimismus noch so vieles vor, was nun niemals umgesetzt werden wird.

“Er zog seine Straße fröhlich” - dieses Bibelwort über den Kämmerer aus Äthiopien, den Philippus laut Apostelgeschichte taufte, hatte Roland Hartmann 2016 bei seiner Verabschiedung rückblickend auf sein Berufsleben zitiert. Eine lachende Welt sei eine schönere Welt, sagte er dazu. Und dass es ihm stets ein besonderes Bedürfnis gewesen sei, seinen Weg fröhlich zu gehen. Das mag auch als Überschrift über seinem Leben und Wirken stehen, das uns als viel zu kurz erscheint.

Roland Hartmann wird am Samstag (24. November) auf dem Friedhof in Dautphetal-Holzhausen beerdigt. Die Trauerfeier beginnt um 14 Uhr in der evangelischen Auferstehungskirche. Der für den 4. Dezember angesetzte Neujahresempfang des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach wird wegen des Trauerfalls abgesagt.


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