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Vorstellung der Kandidatinnen für das Bischofsamt

Pröpstin kandidiert in Kurhessen-Waldeck

Im Mai wird die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck die Nachfolge von Bischof Dr. Martin Hein bestimmen. Zur Wahl stehen zwei Frauen: Prof. Dr. Beate Hofmann, Diakoniewissenschaftlerin aus Bethel, und Pröpstin Annegret Puttkammer. Der Präses der Synode, Dr. Thomas Dittmann präsentierte die beiden Kandidatinnen am 25. Februar in Kassel. Wie Pröpstin Puttkammer sich dort vorstellte und ihren Lebenslauf können Sie hier nachlesen.

Lebenslauf

 

Vorstellung auf der Pressekonferenz

Kassel, 25. Februar 2019

Ich bin Annegret Puttkammer, Pfarrerin aus Begeisterung und nun seit acht Jahren Pröpstin für Nord-Nassau mit Sitz in Herborn.

Die Propstei liegt in Mittelhessen: Von Limburg über den Dillkreis bis vor die Tore Marburgs und ins obere Edertal. Dort bin ich Ansprechpartnerin für fünf Dekanate, rund 170 Gemeinden, etwa 180 Pfarrerinnen und Pfarrer. Und zwar „in Freud und Leid“, also von Jubiläen über Vakanzen bis hin zu Konfliktberatung.

Die Propstei ist gut 80 km nördlich des Rhein-Main-Gebiets gelegen. Die Gemeinden in Nord-Nassau zeichnen sich aus durch eine recht hohe kirchliche Verbundenheit, durch große Liebe zur Heimat – aber leider auch dadurch, dass viele Menschen in den Ballungsraum abwandern.

Vor einiger Zeit wurde ich nun gefragt, ob ich als Kandidatin für das Bischofsamt der benachbarten Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zur Verfügung stehen würde. Dass ich in dieser Kirche geboren wurde (vor 55 Jahren in Fulda), wussten die Fragesteller nicht. Sie begründeten ihre Anfrage vielmehr damit, wie sie mich und meine Arbeitsweise kennengelernt haben. Und sie betonten auch, dass die Propstei Nord-Nassau viel Ähnlichkeit mit etlichen Regionen der EKKW hat, dass ich also einen Erfahrungsschatz mitbringe für eine Kirche, in der viele Regionen strukturell benachteiligt sind und die sich deshalb nun neu aufstellt.

Ich übernehme gerne Verantwortung. Aber bevor ich definitiv meine Kandidatur zugesagt habe, wollte ich Kurhessen-Waldeck noch besser kennenlernen. Ich war deshalb in den vergangenen Monaten viel unterwegs und wollte wissen: Was beschäftigt die Gemeinden? Wie leben die Menschen? Was bewegt sie? Ich besuchte Orte mit großer Geschichte und wunderschönen Fachwerk-Marktplätzen. Ich sah deutlich spürbares kirchliches Leben mit einem anregenden protestantischen Selbstbewusstsein. Natürlich sah ich auch die Herausforderungen des ländlichen Raums. Doch ich traf auf Menschen, die sich diesen Herausforderungen stellen, mit Energie, Klarheit und Gottvertrauen.

Diese Besuche und Gespräche haben mich zur Kandidatur motiviert. In dieser Kirche möchte ich gerne mitarbeiten und daran mitwirken, dass die „Kirche im Dorf“ und ebenso in der Stadt bleiben kann, dass wir weiterhin Nächstenliebe leben und unsere christlichen Werte so in die Gesellschaft eintragen, dass sie dem Frieden dienen.

 Dazu drei inhaltliche Akzente.

•    Ich möchte eine Bischöfin sein, die bei der Neuaufstellung der Landeskirche mit anpackt und den Rücken stärkt.

Kurhessen-Waldeck hat sich schon lange auf die Herausforderungen des nächsten Jahrzehnts vorbereitet und sich ein kluges, klares – aber auch: ambitioniertes Programm gegeben. Dies muss nun weiter umgesetzt werden, mit Sorgfalt in den Details. Dazu will ich meine Erfahrung einbringen. Was es zum Beispiel bedeutet, eine Kirchenkreisfusion umzusetzen, kenne ich aus eigener Praxis. Und ich weiß auch, wie stark dies die Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort belastet. Als Bischöfin möchte ich sie zugewandt begleiten, mit großem Verständnis dafür, was sie leisten.

•    Als Bischöfin will ich junge Erwachsene weiterhin für Kirche begeistern.

Für Kinder und Jugendliche haben wir in den Kirchengemeinden ja schon immer sehr gute Angebote. Doch wenn sie die Schule verlassen, verlieren wir viel zu oft den Kontakt zu den jungen Leuten. Ich möchte aber, dass diejenigen, die in diesem Jahr mit der Schule fertig wurden, auch in zehn Jahren noch evangelisch sind. Dafür müssen wir jetzt die Weichen stellen, damit der Kontakt nicht abreißt. Dafür brauchen wir eine deutlich „digitalere Kirche“, aber ebenso auch bewährte „analoge“ Formen – und originelle neue. Und nicht zu vergessen: Viele Themen, für die sich junge Leute heute einsetzen, etwa „Generationen-Gerechtigkeit“ oder „Klimaschutz“, sind doch auch wesentliche kirchliche Themen. Da sind Jugend und Kirche natürliche Verbündete!

•    Als Bischöfin möchte ich dazu ermutigen, „mehr raus“ zu gehen!

Kirche darf sich nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen, sondern muss mit dem Evangelium und ihren Diensten unter die Leute. Das tun wir ja auch ganz selbstverständlich: Diakonie, Bildung, Ortsprojekte, Flüchtlingshilfe – all dies ist bleibend wichtig und evangelisches Profil.

Aber: Wir müssen auch mit unseren Gottesdiensten „mehr raus“. Wenn die Leute nicht zur Kirche gehen, muss die Kirche eben zu den Leuten. Etwa durch Gottesdienste im Freien oder bei der Feuerwehr oder im Industriebetrieb. Solches „Nach-draußen-gehen“ möchte ich fördern und würde mich auch sehr gerne zu solchen Gottesdiensten einladen lassen.

Ohnehin wäre es mir ein Herzensanliegen, eine „Unterwegs-Bischöfin“ zu sein, um die Menschen in ihrem Lebensumfeld zu treffen. Nur wenn ich in gutem Kontakt zu den Gemeindegliedern bin, kann ich mein Amt gut ausüben. Das ist jetzt, als Pröpstin, auch schon so.

Damit Sie mich noch etwas besser kennenlernen, will ich einen Vergleich ziehen zwischen der Kirche und meinem Hobby. Ich wandere nämlich gerne, und zwar über viele Tage mit dem Gepäck auf dem Rücken von Ort zu Ort. Wenn ich dann in eine Schlecht-Wetter-Periode komme, muss ich vorrangig drei Dinge tun:

-    Mir klar und deutlich mein Ziel in Erinnerung rufen: „Dort will ich hin!“ Wenn mich das lockt, kann ich auch fünf Tage im Dauerregen laufen.

-    Ich darf mich – zweitens – aber  nicht im Gasthof im warmen Bett verkriechen. Sondern ich muss raus. Anders geht´s nicht.

-    Schwere Wege kosten Kraft. Deshalb muss ich – drittens – meine Kräfte klug einteilen, Pausen machen, eventuell Etappen kürzen. Kurz: barm-herzig sein mit mir selbst.

 Das lässt sich gut auf die Kirche übertragen, auch auf Kurhessen-Waldeck in einer Veränderungsperiode ihrer Geschichte.

- Wir müssen unser Ziel im Blick haben. Ziel ist ja, dass die Evangelischen zwischen Bad Karlshafen und Hanau, Frankenberg und Schmalkalden auch weiterhin ihren Glauben fröhlich leben können, auf einer soliden geistlichen und materiellen Basis. Das lohnt alle Anstrengung!

- Wir dürfen uns nicht verkriechen dorthin, wo´s bequem ist. Sondern wir müssen raus, unter die Leute, auch hinein in Auseinandersetzung und Diskussionen. So etwa in Fragen des Populismus, wo wir klare Kante zeigen müssen, auch bei Antisemitismus oder wenn Menschen herabgewürdigt werden.

- Zugleich müssen wir unsere Kräfte gut einteilen. Deshalb müssen wir hier und da auch kürzer treten oder Verbündete suchen.

 Es gibt aber noch einen entscheidenden Punkt: Wir Christen gehen unseren Weg ja nicht einsam. Wir sind viele! Und auch eine Bischöfin ist nicht alleine, sondern eingebunden in die synodale Beratung, in den Rat der Landeskirche, in die Zusammenarbeit mit den Pröpstinnen und Dekanen. Sie wird kompetent unterstützt von einem Landeskirchenamt und den vielen Facheinrichtungen.

 Ja, und wir sind unterwegs unter der Verheißung Christi: „Ich bin bei euch.“ Das ist eine großartige Kraftquelle! Aus der möchte ich auch als Bischöfin schöpfen.

Zum Schluss noch einige Anmerkungen zu meinem Leitungsstil:

„Leitung in der Kirche“, das habe ich gelernt in den 13 Jahren im Gemeindepfarramt, als Dekanin, in Propstei und Kirchenleitung. Projektsteuerung ist mir vertraut, Leitbild- und Visionsentwicklung, aber eben auch das alltägliche „Klein-Klein“, also die zeitnahe, sorgsame Umsetzung von Beschlüssen.

Kirchliches Leiten geschieht immer auch durch die Predigt. Ich predige leidenschaftlich gerne, und ich veröffentliche Predigthilfen, gemeinde-nahe Auslegungen und literarische Texte zur Bibel.

Zu meinem Leitungsstil gehört, alle Beteiligten schnellstmöglich an einen Tisch zu holen. Damit mache ich aktuell gute Erfahrungen bei der Bildung von Kooperationsräumen.

Ich blicke bewusst und mit großem Ertrag über den eigenen Tellerrand. Deshalb engagiere ich mich in der Evangelischen Kirche in Deutschland, etwa in der neuen Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung, kurz "midi". Nicht missen möchte ich die ökumenischen Kontakte, evangelisch/katholisch und mit unseren Partnerkirchen in Afrika und Asien.

Und ich bin eine Vernetzerin. Etwa im Regionalmanagement Mittelhessen, wo wir viele gesellschaftliche Player zusammenbringen: Kommunen, Unternehmen, Vereine und eben auch Kirchengemeinden.

Dies alles gehört zu mir. Dazu noch eine gehörige Portion Gelassenheit und Humor. Und mit all dem stelle ich mich nun auch gerne zur Wahl.

Liste der Veröffentlichungen


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