Menu
Menü
X

Gedanken zu Pfingsten für die Evangelische Sonntags-Zeitung 23.05.2021

Wunder des Verstehens

Auch wir erleben gerade eine Zeit der Sprachverwirrung - da kommt Pfingsten gerade recht

Das Pfingstfest ist für mich eines der schönsten kirchlichen Feste. Von Ostern herkommend fühle ich mich gestärkt, voller Hoffnung und Vertrauen. Kein Leiden kann so tief sein, dass Gott dort nicht zu finden ist. Kein Sterben ist hoffnungslos. Der Tod hat seinen Schrecken verloren. Ja, noch mehr – mit jedem Tod ist die Hoffnung auf ein neues Leben in Gottes Reich verbunden. Gestärkt mit dieser Hoffnung und noch erfüllt von dem Osterruf „Christus ist auferstanden!“ ist Pfingsten für mich zu einem Fest der Freude, der Begegnung und der Verständigung geworden. Das Gegenteil von Begegnung, Verständigung und gemeinsamen Freudenfesten erleben wir derzeit. Wir erfahren Abschottung, Verwirrung und Unverständnis. Die Pandemie hat einiges durcheinandergebracht. Menschen fällt es schwer, einander zuzuhören und dieselbe Sprache zu sprechen. Es herrscht eine regelrechte Sprachverwirrung. Die Querdenkerszene sieht für sich eine andere Wahrheit als die meisten anderen Menschen. Menschen, die Verschwörungsmythen erzählen, und Corona-Leugner verstehen die Entscheidungen der Politik nicht und wollen sie nicht mittragen. Auch Politiker und Menschen, die Verantwortung übernehmen, sprechen nicht immer dieselbe Sprache. Die einen stellen gesundheitliche Aspekte in den Vordergrund, die anderen soziale und wirtschaftliche. Manche Stimmen kommen nicht oder nur ganz leise vor. Kinder, Jugendliche, Studierende oder Menschen, die in Armut leben, leiden unter dieser Sprachverwirrung und Sprachlosigkeit. Der Predigttext für den Pfingstsonntag erzählt eine Geschichte der Sprachverwirrung als Folge der Abkehr von Gott. Die Menschen in Babel wollen sich einen hohen Turm bauen, „sich einen eigenen Namen machen“. Sie glauben, auch ohne Gott zu wissen, wer sie sind. Sie brauchen keine Verbindung mehr zu ihm. Sie sind davon überzeugt, dass aus eigener Macht und Kraft alles möglich ist. Gott greift ein, verwirrt ihre Sprachen, sie verstehen einander nicht mehr und werden in alle Welt zerstreut. Die Pfingstgeschichte ist ein Gegenmodell zu diesem Turmbau. Der Heilige Geist, die Wirkkraft Gottes, macht es möglich, dass sich Menschen verstehen, die unterschiedliche Sprachen sprechen. Petrus erzählt in Jerusalem von der Kraft des Evangeliums, von der Auferstehung, der Hoffnung – und die Menschen aus allen Völkern verstehen ihn. Es ist ein Aufbruch, den die Menschen dort erleben. Es ereignet sich das Wunder eines neuen, gänzlich unerwarteten Verstehens. Menschen hören sich zu. Sie verstehen einander. Die Botschaft der Liebe Gottes breitet sich aus. Alle miteinander feiern ein Fest der Freude, der Kraft und der Hoffnung. Bis heute ist es Auftrag der Kirche und des einzelnen Christenmenschen, mit der Kraft Gottes zu einer Verständigung beizutragen, die sich aus der Hoffnung speist. Dazu gehört zunächst einmal das Zuhören. Gerade in dieser Krise ist es wichtig zuzuhören. Die bestehende Verwirrung, die Not und das Unverständnis werden sich verwandeln in Verständigung, in Zuwendung und in Anteilnahme. Wir nehmen uns gegenseitig als von Gott geliebte Menschen wahr. Dann erleben wir Pfingsten – auch unter Kontaktbeschränkungen. Die Kraft des Heiligen Geistes und die Hoffnung, die im Evangelium zu finden ist, bleibt bestehen bei aller Veränderung. Jesus Christus hat seine Kirche gegründet. Sie gibt uns bis heute Heimat, Hoffnung und ganz viel Zuversicht.

Predigt zum Gründonnerstag am 1. April 2021 in Herborn-Seelbach zu Mt 26, 17-30

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Liebe Schwestern und Brüder! „Es hätte alles so schön sein können!“ Nachdem wir schon im letzten Jahr Ostern in aller Stille und mit Abstand feiern mussten, wollten wir in diesem Jahr die Ostertage miteinander feiern. Doch wir befinden uns schon wieder im Lockdown. Dieser Gründonnerstaggottesdienst, der ein Festgottesdienst sein sollte, ist ausschließlich digital. Sie sind zu Hause an Ihren Bildschirmen. Ich kann Sie nicht sehen. Die hohen Inzidenzzahlen verunsichern uns. Die Menschen sind erschöpft, müde, bedrückt und hungrig nach Gemeinschaft. So sind wir hier. Anders als wir es uns gewünscht haben. Auch wenn wir getrennt sind, so sind wir doch verbunden durch diesen Gottesdienst. „Es hätte alles so schön sein können!“, dachten auch die Jünger Jesu. Sie wollten mit Jesus das Passahmahl feiern. So wie immer. Mit vertrauten Texten und Liedern. In Erinnerung an Gottes Schutz und Fürsorge. In Gedanken an Gott, der das Volk Israel aus Ägypten befrei-te. Doch an diesem Abend war alles anders! Jesus sprach davon, dass seine Zeit nahe sei. Es war greifbar. Dieses Abendmahl war ein Abschiedsmahl. Die Jünger waren bekümmert und unsicher. Und dann sagt Jesus auch noch: „Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten!“ Eine bedrückende Stimmung stelle ich mir vor. Keine Festtagsstimmung wie in den Jahren zuvor. Selbst die Klärung, dass es wohl Judas sein wird, der Jesus verrät, konnte die anderen Jünger nicht mehr in Vertrautheit zusammenrücken lassen. Die Gemeinschaft war gestört. Wie eine schwere Last drückte das Erlebte auf ihren Schultern. „Es hätte alles so schön sein können!“, haben auch manche in Ihrer Kirchengemeinde gedacht, als dieser Gottesdienst geplant wurde. Der 1. April 2021 sollte ein Festgottesdienst werden. Vor 50 Jahren wurde durch eine Urkunde dokumentiert, dass die Kirchengemeinde Herborn-Seelbach eigenständig sei. Es gab ein eigenes Pfarrhaus. Die Kirchengemeinde wurde nicht mehr von Ballersbach mitbetreut, sondern bekam ihren eigenen Pfarrer. Die Kirchengemeinde erlebte einen Aufschwung. Eine lebendige Gemeinschaft entstand. Heute sollte die Erinnerung an diese lebendige Gemeinschaft mit einem Festgottesdienst am Gründonnerstag gefeiert werden. Doch Gemeinschaft, wie wir sie kennen und wie wir sie uns wünschen, ist nicht möglich. Wir sind getrennt voneinander. Sie sind zu Hause an Ihrem Bildschirm. Vielleicht alleine; vielleicht zu zweit oder im Kreise Ihrer Familie. Wir sind hier in der Kirche. Die Kirche ist so gut wie leer. Nur wenige, die diesen Gottesdienst mitgestalten, sind anwesend. Das vertraute Gefühl, wenn wir miteinander feiern, uns sehen, in den Arm nehmen und lebendige Gemeinschaft erleben, kann sich nur schwerlich einstellen. Viele von uns sind Corona-Müde. Die Jünger waren auch müde und verunsichert. Sie erlebten das letzte Abendmahl kurz vor dem Tod Jesu ge-trennt voneinander. Jeder war mit seinen eigenen Gedanken alleine. Was wird auf uns noch zukommen? Werde ich standhalten? Werde ich an der Seite von Jesus bleiben? Diese und andere Gedanken mögen ihnen durch den Kopf gegangen sein. In diese Situation hinein stiftet Jesus Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die nichts aufhalten kann. Die Schuld, die Judas durch den Verrat auf sich lädt, schließt ihn nicht aus von der Gemeinschaft. Die Angst, die Petrus überfällt, als er Jesus am folgenden Tag verleugnet, entbindet ihn nicht aus der Gemeinschaft. Der Blick auf das Leiden, das Jesus angekündigt hat, wird mit hineingenommen in die Gemeinschaft, die Jesus stiftet. Liebe Brüder und Schwestern, Jesus stiftet Gemeinschaft, indem er dieses letzte Abendmahl auf sich und seine Anwesenheit bezieht. „Nehmt und esst. Das ist mein Leib.“ In der Gemeinschaft dieses Mahles sagt Jesus seinen Jüngern: „Ich bin bei euch. In eurer Zerrissenheit, in eurer Angst und eurer Verwirrung bin ich bei euch.“ Aus dem Passah-Mahl in schweren und unübersichtlichen Zeiten wird ein Mahl der innigen Verbundenheit mit Jesus. „Trinket alle aus diesem Kelch. Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ Die Verbundenheit macht nicht Halt vor Versagen und Schuld. Sie gilt für die gesamte Jüngerschaft. Auch für die, die angefochten sind und belastet von Versa-gen und sogar von Verrat. Mit diesen Worten stiftet Jesus eine Gemeinschaft, die Gottes Gegenwart erlebbar macht. Im gegenwärtigen Christus, der sich in diesem Mahl seinen Jüngern mitteilt ist Gottes Gegenwart zu finden. Liebe Brüder und Schwestern, bis heute stärken uns diese Worte Jesu. In jedem Abendmahl, das wir feiern, hören wir seine stärkenden Worte. Sie ermöglichen eine Gemeinschaft die trägt. Denn Jesus stiftet diese Gemeinschaft. Wir sind heute an diesem Gründonnerstag zum Gottesdienst zusammengekommen. Jeder und jede für sich zu Hause. Auch wenn wir getrennt sind, weiß ich uns verbunden. Jesus verbindet uns! Durch sein Wort und durch Brot und die Frucht des Weinstocks. Wenn wir gleich miteinander Abendmahl feiern. Dann verbindet uns Jesus zu einer Gemeinschaft. Es ist eine Gemeinschaft, die uns stärkt in schweren Zeiten. Unsere Corona-Müdigkeit, unsere Ängste, unsere Verzweiflung und auch den Zorn bringen wir mit an den Tisch dieser Gemeinschaft. Und Jesus sagt zu uns: „Nehmt und esst. Das ist mein Leib. Nehmt hin und trinkt. Das ist mein Blut des Bundes, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünde.“ So wie er es damals zu den Jüngern gesagt hat, so sagt er es uns heute: „Ich bin bei euch. In eurer Zerrissenheit, in eurer Angst, in eurer Verwirrung und in aller Belastung bin ich bei euch.“ Und ich bin überzeugt: Wenn wir getrennt und doch verbunden in Erinnerung an Jesu letztes Mahl essen und trinken, dann spüren wir die Liebe Gottes. Sie wird sich ausbreiten. Sie wird uns trösten. Sie wird uns Hoffnung schenken. Eine Hoffnung, die stärker ist als alles, was uns belastet. Als Kirchengemeinde Herborn-Seelbach werden Sie heute an eine weitere Gemeinschaft erinnert. An die Gemeinschaft einer Kirchengemeinde. Sie ist damals vor 50 Jahren durch die Errichtung einer eigenen Pfarrstelle eigenständig geworden. Viele Menschen engagierten sich für ihre Kirchengemeinde. Die Gemeinschaft, die in Jesus Christus gründet, hat sich in ihrer Kirchengemeinde lebendig entwickelt. Unzählige Male haben Sie miteinander Abendmahl gefeiert, miteinander gebetet und auf Gottes Wort gehört. Sie haben gefeiert und Freude und Leid miteinander geteilt. Weil Jesus Christus der Grund Ihrer Gemeinschaft in der Kirchengemeinde Herborn-Seelbach ist, werden Sie verbunden bleiben. Selbst eine Pandemie, ein Lockdown, Kontaktverbote und Ausgangssperren werden uns nicht trennen von der Gemeinschaft, die Jesus uns bis heute schenkt. Und vielleicht werden Sie nach der Pandemie bei einem Dankgottesdienst die Gelegenheit haben, das Fest der Eigenständigkeit Ihrer Kirchengemeinde mitzufeiern. Heute wissen wir uns gestärkt durch Jesus Christus. Brot und die Frucht des Weinstocks lassen uns seinen Trost und die Hoffnung spüren. Gestärkt können wir den Karfreitag erwarten und den Oster-tagen entgegen gehen. Jetzt möchte ich nicht mehr sagen: „Es hätte alles so schön sein können!“ Jetzt sage ich: „Es ist so schön, dass wir trotz allem in Gemeinschaft verbunden sind. Es ist so schön, dass wir in Verbundenheit Abendmahl feiern. Es ist so schön, dass Jesus uns stärkt, uns tröstet und uns Hoffnung schenkt!“ Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Gegenwart Gottes im gegenwärtigen Christus erleben. Ich wünsche Ihnen die Freude und die Dankbarkeit, die auch mich erfüllt, wenn ich auf Christus schaue. Gott stärke Sie! Gott segne Sie und behüte Sie! Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Predigt zum So. Estomihi, 14.02.2021 in Schönbach zu Mt 13, 31-32

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Liebe Schwestern und Brüder in Schönbach, Breitscheid und Erdbach! Sehr herzlich grüße ich Sie zuhause an den Bildschirmen als Ihre neue Pröpstin. Ich freue mich, heute in Ihrer Kirche in Schönbach zu Gast sein zu dürfen. In einer Zeit, in der wir uns nach aufbauenden Worten sehnen, möchte ich mit Ihnen darüber nachdenken, wie Jesus uns stärkt. Uns Hoffnung und Zuversicht schenkt. Manchmal haben wir das Gefühl, die Aufgaben sind zu groß. Die Anforderungen an uns zu schwer. Und die Ansprüche zu hoch. Seit neun Wochen leben wir in einem Lock-down, der uns sehr fordert. Die Familien mit Kindern versuchen alles gut zu meistern Doch viele haben bald keine Kraft mehr. Ein- bis zweijährige Kinder haben viel-leicht noch nie außerhalb der Familie mit anderen Kindern gespielt. Unsere Alten spüren die Einsamkeit in ihren Wohnungen. Gastronomen, Gewerbetreibende und Sport- und Kulturanbieter kämpfen ums Überleben. Dazu kommen noch das Leid von schweren Krankheiten, die es außer Covid19 auch noch gibt, und die Trauer, die uns nach einem Abschied gefangen nimmt. „Wie sollen wir das alles schaffen?“ „Woher bekommen wir die Kraft und die Zuversicht um hoffnungs-voll in die Zukunft zu blicken?“ Diese Fragen höre ich immer wieder - auch in Kirchengemeinden. Die Kirchenvorstandswahlen sind vorzubereiten. Neue Kirchenvorstandsmitglieder mussten gefunden werden. Sie machen sich nun auf den Weg in ihr neues Amt. In diesem Gottesdienst stellen sie sich Ihnen vor. Die Herausforderungen, die Kirchengemeinden gestellt sind und die Verantwortung sind groß. Da ist das gemeindliche und gottesdienstliche Leben in einer Pandemie zu gestalten. Eine kleiner werdende Kirche und schwindende Finanzmittel erfordert neue Wege des Miteinanders. Eine Amtsperiode von sechs Jahren scheint eine lange Zeit zu sein. „Kann ich das wirklich?“ fragen sich dabei manche. Eine neue Verantwortung in einer unübersichtlichen Zeit zu übernehmen, das kenne ich. Seit 1. Januar bin ich Ihre neue Pröpstin. Kirche leiten in einer Zeit der Umbrüche wird auch meine Aufgabe in den nächsten Jahren sein. Die Propstei Nord-Nassau mit seinen 169 Kirchengemeinden kennenzulernen, wenn wir uns nicht treffen dürfen, ist ein besonderer Start. Und doch spüre ich ganz viel Kraft, Hoffnung und Zuversicht. Ich möchte Ihnen von meinem Glauben er-zählen. Dabei orientiere ich mich immer wieder an einem biblischen Gleichnis. Es ist das Gleichnis vom Senfkorn. Es steht im Matthäusevangelium im 13. Kapitel, die Verse 31 und 32: Jesus sprach: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber groß gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen. Das Senfkorn ist das kleinste Samenkorn, das Jesus damals vor Augen hatte. Wenn wir ein einziges Senf-korn in die Hand nehmen, spüren wir es kaum. Ich muss genau hinsehen, um es wahrnehmen zu können. Einem solchen kleinen Senfkorn ist nicht anzusehen, was daraus werden kann. Es ist unscheinbar. Kann leicht übersehen werden. Ich kann mir vorstellen, dass damals zur Zeit Jesu keiner auf die Idee gekommen wäre, das Senfkorn mit Gottes Reich zu vergleichen. Jesus tut es! Er fügt aber noch etwas hinzu. Jesus er-zählt in dem Gleichnis von einem großen Baum, das aus diesem kleinen Senfkorn werden kann. Er sagt: „Wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.“ Auch das wissen wir: Wenn etwas wachsen will, braucht es Geduld, Nahrung und Liebe. Das ist bei Kindern so. Das ist bei Pflanzen ebenso. Wir, die wir auf dem Land leben, wissen, dass die Früchte der Bäume und der Erde nicht einfach so da sind. Der Bo-den muss bereitet werden. Wasser, Sonne und Nährstoffe sind wichtig, dass wir am Ende etwas ernten können. Erstaunlich ist, dass Jesus nicht den großen Senfkorn-baum oder eine üppige Ernte mit dem Reich Gottes vergleicht. Jesus vergleicht das kleine, unscheinbare Senfkorn mit dem Reich Gottes. In diesem Korn ist alles angelegt, was daraus wachsen wird. Liebe Geschwister, was bedeutet dieses kleine Senfkorn, wenn ich es mit unseren Anfängen in einem neuen Amt, mit unseren Fragen, Unsicherheiten und Zweifel vergleiche? Es bedeutet, dass schon im Kleinen das Reich Gottes beginnt. Sich mit anderen zusammen auf den Weg zu machen. Jesus Christus nachzufolgen. Das ist ein guter Anfang. Mehr wird von uns nicht erwartet. Am Ende einer Wahlperiode das Amt im Kirchenvorstand in andere Hände zu legen, heißt das Samenkorn weiterzugeben. Es sind die Samenkörner aus der Arbeit der vergangenen Jahre. Mit den reichen Erfah-rungen die neuen Mitglieder im Gebet und im Gespräch zu begleiten, heißt zum Wachsen beizutragen. Dafür danke ich Ihnen jetzt schon von ganzem Herzen! Und für die neuen Mitglieder im Kirchenvorstand heißt es, dass das was Sie mitbringen wertvoll ist. Sie brauchen keine großen Konzepte und Visionen. Der Glaube an Gottes Begleitung, das gemeinsame Gebet und die Bereitschaft miteinander Jesus Christus nachzufolgen ist das Samenkorn. Es wird sich entfalten. Aber nicht weil Sie, weil wir alles im Blick haben müssen. Alles allein verantworten sollen. Nein, es wird wachsen, weil Gott zum Wachstum das Seine tut. Auf Gottes Begleitung zu vertrauen, stärkt uns. Gott geht unsere Wege mit uns und weist uns den Weg. Das gibt mir Kraft und Zuversicht. Das lässt mich ver-trauen. Gott steht mir in allen Anfängen, Unsicherheiten und Zweifel zur Seite. Und wenn das Samenkorn kaum zu entdecken ist, weil die Zweifel, die Angst, die Not und die Trauer zu groß sind, dann lege ich mich und meinen Glauben in Gottes Hand und bete: „Gott, ich weiß nicht weiter. Ich sehe den Weg nicht. Doch ich vertraue darauf, dass du da bist. Führe mich. Gib mir die Kraft, die ich heute brauche.“ Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann – so sagt Jesus – ist euch alles möglich. Selbst der kleinste Glaube hat große Kraft! Ich habe in meinem Leben schon oft erfahren dürfen, dass Gott mir gerade in unübersichtlichen und schwe-ren Zeiten Kraft und Zuversicht geschenkt hat. Das hat meinen Glauben und meine Hoffnung wachsen lassen. Gott steht der Not, der Krankheit, der Pandemie nicht gegenüber. Sie sind keine Strafe Gottes. Gott ist zu finden in schweren Zeiten, im tiefsten Leid und in al-len Anfängen. Dafür ist Jesus Christus am Kreuz ge-storben und auferstanden. So möchte ich Ihnen heute aus der Botschaft des Evangeliums Kraft, Hoffnung und Zuversicht mitgeben. Der Glaube an Jesus Christus stärkt uns! Oft schon haben mir Menschen erzählt, dass der Glaube ihnen Halt gegeben hat. Sie haben gespürt: sie sind nicht allein. Das kleine Senfkorn ist ein Hoffnungszeichen. Jesus macht seinen Jüngern Mut – und uns auch. Gottes Reich ist im Allerkleinsten bereits angelegt. Es wird sich mit Gottes Hilfe entfalten. Und wenn Sie sich trotzdem immer wieder einmal fragen. „Kann ich das wirklich?“ Dann sprechen Sie: „Ja, mit Gottes Hilfe“ Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

top